WebTiger Pro: Viele Kanzleien zögern, Ihre Mitarbeitenden aktiv in den Umgang mit KI-Technologien wie ChatGPT zu schulen. Welche Bedenken oder Herausforderungen nehmen Sie hierbei wahr, und wie könnten diese überwunden werden?
Carmen Wolf: Da sollte man zunächst unterscheiden, wer hier zögert: Die Berufsträger oder die Mitarbeitenden. Während Mitarbeitende oft befürchten, dass sie durch KI ersetzt werden könnten (evtl. auch nur Berührungsängste haben), liegt der Fokus bei den Anwälten eher auf Gefahren im Umgang mit KI, sie sind zudem aber auch oft skeptisch, was KI leisten kann. Ein Grund in Letzterem könnte darin liegen, dass es der oder die eine oder andere bereits versucht, aber von der Qualität nicht das erhoffte Ergebnis erhalten hat. Denn auch die Arbeit mit Chatbots muss man „lernen“.
Verunsicherung allgemein und auf „beiden Seiten“ besteht regelmäßig insoweit, als dass bekannt ist, dass Chatbots auch halluzinieren, also tatsächlich Informationen durcheinanderwürfeln und falsch ausgeben können und das auch tun. Auch das (meist „gefährliche“) Halbwissen um Gefahren wie Deep-Fakes und Cyberkriminalität können dazu führen, dass der oder die eine oder andere sich dem Thema verschließt.